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			<title>RSS-Feed Blaulichtgeschichten</title>
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			<language>en</language>
			<copyright>Blaulichtgeschichten 2006</copyright>
			<ttl>120</ttl><item>
		<title>"Eingeklemmte Person" von Landretter</title>
		<link>http://www.blaulichtgeschichten.de/blaulichtgeschichten/landretter1/eingeklemmte-person.html</link>
		<description><![CDATA[ <p>Wir schreiben einen schönen warmen Tag in einem Sommermonat.
Heute besetzten ein erfahrener Rettungsassistent und ich (Rettungssanitäter) den RTW unserer 
Hauptwache. Unsere Schicht beginnt um 6 Uhr und hört um 18 Uhr auf, wenn die Ablösung
für die Nachtschicht kommt.</p>

<p>Es war einer dieser Tage, an denen man irgendwie spürte, dass noch etwas Großes passieren würde.
Der gesamte Morgen war ungewöhnlich ruhig und niemand wurde zu einem
Einsatz gerufen. Da nichts los war wurden wir dazu abbestellt, den Zivis, welche bald anfangen
würden, einen RTW & KTW von Innen zu zeigen und ein wenig die Ausstattung zu erklären. Mein Kollege schnappte sich die Hälfte der Zivis und ging mit ihnen zum KTW, während ich am RTW blieb und dort ein bisschen was demonstrierte und auf Fragen antwortete.</p>

<p>Und dann passierte es.</p>

<p>Ich saß zufällig auf dem Beifahrersitz, als unser Melder Alarm schlug.
Der Melder wurde ignoriert und ich blätterte sofort auf dem Info-Display im RTW 
die Einsatzinfos durch.</p>

<p>Dies war das erste Mal, dass ich in meiner noch jungen Karriere folgendes las: "Eingeklemmte Person VU (Verkehrsunfall); Bundesstraße XXXX"</p>

<p>Sofort war mein Puls stark beschleunigt und ich rief sofort nach dem Kollegen, welcher auch schon
angerannt kam. Ich habe in Windeseile die Zivis aus dem Patientenraum gescheucht und mich 
wieder auf den Beifahrersitz gesetzt. Es war allerhöchste Eile geboten. Da dies mein erstes chirurgisches Polytrauma war, schossen mir alle möglichen Gedanken durch den Kopf: Was würde mich erwarten? Wie viele Verletzte? Alle noch am Leben? Was, wenn ich am Einsatzort stehe und alles vergesse, was ich mal gelernt habe?</p>


<p>Ich zog noch während der Fahrt meine Jacke, 2 Paar Handschuhe und Helm an.
Der Kollege rief mir, durch den Lärm des Martinshorns und des röhrenden Motors zu,
dass ich mich um die Leichtverletzten kümmern soll und er sich um die Schwerverletzten.
Zu dem Zeitpunkt wussten wir nämlich noch nicht, wie viele Personen am Unfall beteiligt waren. Nach ungefähr 5-6 Minuten Fahrt waren wir am Einsatzort. Zeitgleich mit uns trafen das NEF und die Feuerwehr  am Unfallort ein. Sofort rüstete ich mich mit Notfallkoffer, EKG und Sauerstoff aus und rannte zum Unfallwrack. Verletzt war nur eine Person, welche alleine in ihrem Auto war und gegen einen entgegenkommenden LKW gekracht ist.</p>


<p>Außen neben der Fahrertür stand ein Ersthelfer, welcher den Kopf des Eingeklemmten hielt
um die Wirbelsäule zu stabilisieren. Die Person war nicht mehr bei Bewusstsein und schon blau angelaufen.
Sofort nahm der Notarzt das Kommando in die Hand und delegierte Aufgaben wie: "Sauerstoff 15 Liter! Mehrere Infusionen! Intraossärer Zugang!"</p>

<p>Als er dann den Patient noch näher betrachtete und der Zugang im Oberarmknochen gelegt war,
rief er unvermittelt: "Crash-Rettung." Dies passiert meist dann, wenn der Zustand des Patienten so schlecht ist, dass nicht mehr auf
Wirbelsäulenschäden etc. geachtet werden kann und dann nur noch das Überleben, ungeachtet des Outcome, an erster Stelle steht. Crash-Rettung hieß für uns in dem Fall, dass wir uns kurz zurückziehen mussten, während die Feuerwehr die Tür aufspreizte und den Patient herauszog und auf unsere Trage legte.</p>

<p>Selbst jetzt, während ich diese Zeilen schreibe und an den Einsatz und solche Momente zurückdenke, bekomme ich noch immer eine Gänsehaut. Sofort schoben wir den Patient auf der Trage in den RTW. Währenddessen forderte der NEF-Fahrer
einen RTH an, weil der Zustand echt bedenklich war und der Patient sofort in eine Unfallklinik 
geflogen werden musste. Im RTW wurde der Patient dann auf ein Spineboard umgelagert, intubiert und die Wunden wurden versorgt, sowie mehr Volumen verabreicht. Beide Oberschenkel waren gebrochen sowie das Becken und vermutlich der Beckenkamm. Schäden an der Wirbelsäule konnten präklinisch natürlich auch nicht ausgeschlossen werden.</p>

<p>Jetzt hatte ich kurz Zeit, um Luft zu holen und ich merkte glücklicherweise, dass meine Ängste,
welche ich auf der Hinfahrt hatte, unnötig waren. Ich habe alles, was mir gesagt wurde richtig umgesetzt und wir haben als gesamtes Team 
richtig gut funktioniert. Es liefen mehrere Infusionen gleichzeitig und das Beatmungsgerät half, die O2-Sättigung 
wieder zu erhöhen. </p>

<p>Kurz danach hörten wir, dass der RTH im Landeanflug war und in ungefähr 100 Metern Entfernung bei einer Parkbucht landen würde.
Dies war das Stichwort für mich, mich hinter das Steuer zu setzen und zum RTH zu fahren. Ich setzte mich auf den Fahrersitz, machte das Blaulicht an und fuhr geradewegs auf den landenden RTH zu. Und während ich den RTH sah, wie er landete und wir einen Mensch hintendrin hatten, welcher um sein Überleben kämpft, bekam ich nochmals eine krasse Gänsehaut. Auch diese bekomm ich immer noch, wenn ich an den Einsatz zurückdenke.</p>


<p>Nach der Landung kam dann die RTH-Besatzung in den RTW-Innenraum und erhielt von unserem Notarzt die Übergabe. Danach fuhren wir die Trage zum RTH und luden den Patient auf dem Spineboard hinten rein. Und gerade als der Tragetisch in den RTH geschoben wurde, hat der Patient 
kurz die Augen geöffnet und wir hatten die große Hoffnung, dass er es schaffen würde.</p>

<p>Wir haben nach acht Stunden mal in der Klinik angerufen, erfuhren aber nur, dass immer noch operiert 
wurde. Der Patient hat überlebt, auch wenn er nie wieder richtig laufen kann.</p>

<p>Dieses Gefühl zu wissen, dass man ein Menschenleben aktiv gerettet hat, ist einfach unbeschreiblich und es durchströmen einen unerklärliche Gefühle, wenn man daran denkt, was man als Team geleistet hat. Die Gänsehaut, welche ich mehrmals erwähnte, bekam ich nicht aus Angst, sondern eher aus Ehrfurcht und Gefühlsüberwältigung, wenn man realisiert, was man gerade eben macht und getan hat.</p> 
 ]]></description>
		<pubDate>Sun, 28 Apr 2013 21:44:12 +0200</pubDate>
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</item><item>
		<title>"Selbstmordgedanken" von DRKSANI8020</title>
		<link>http://www.blaulichtgeschichten.de/blaulichtgeschichten/drksani8020-texte/selbstmordgedanken.html</link>
		<description><![CDATA[ <p>Es war ein unruhiger Tag, ich war als Praktikant auf dem RTW eingeteilt. Wir kamen gerade von unserem dritten Einsatz in Folge zurück. Erstmal was trinken und essen, das wäre jetzt schön, dachten wir uns. Aber der Rettungsassistent am Steuer kam noch nicht mal dazu den Status 2 zu drücken, als die Leitstelle rief. Und zack das war es mit Essen und Trinken. Es ging in Richtung Nachbarort. Wie immer bekam ich als Praktikant nicht mit, was passiert war. Diese Ungewissheit machte mich nervös.</p>

<p>An der Einsatzstelle angekommen, traf kurz nach uns ein NEF an der Einsatzstelle ein. Ich frage, was denn überhaupt passiert sei. Angedrohter Suizuidversuch. Die Dame hat ihrer Mutter über ein soziales Netzwerk gedroht, sich umzubringen. Meine Nervosität stieg weiter an; meine Hände schwitzten in den Einmalhandschuhen. Jetzt hieß es die richtige Wohung zu finden, welche sich im Erdgeschoss befinden sollte. Erdgeschoss war leicht gesagt bei einem Haus was in einen "Hang" eingebaut war und sich nur über eine Treppe erreichen ließ. Nach Absuchen des "ersten" gedachten Erdgeschoss hatten wir die Wohnung nicht gefunden. Derweil traf auch ein Löschzug und die Polizei ein. Innerlich hoffte ich, dass wir die richtige Wohnung noch rechtzeitig finden würden. Was war nur vor gefallen, dass diese Person nicht mehr leben wollte? Es war nicht das erste Mal, dass ich an einer Einsatzstelle mit diesem Alarmierungsstichwort war; doch irgendwie fühlte es sich seltsam an, vor allem nach dem das "zweite" gedachte Erdgeschoss sich auch als das falsche heraus stellte. Fassungslos schauten wir uns an, das konnte doch echt nicht wahr sein. Dann beim dritten Versuch, war es das richtige. Jetzt kamen Gedanken hoch: wie wollte sich die Person das Leben zu nehmen??? "Pulsader aufschneiden, Überdosis Medikamente, vergiften oder sich vielleicht aufhängen? Es gibt ettliche Menschen die mindestens einmal im Leben an einen Punkt kommen, an dem sie sich fragen, ob das Leben noch einen Sinn hat. Doch ist der Selbstmord da der beste Ausweg, ich glaube das kann einem keiner zu 100% sagen.</p>

<p>Nach vermehrtem Anklopfen und Rufen, wurde uns die Wohnungstür geöffnet. Eine junge Dame schaute verängstigt, hilflos, weinend in unsere Augen. "Unsere", das waren die der Kollegen der Feuerwehr, Polizei und der meiner Kollegen und mir. Dass die Dame noch lebte, war ja schon mal gut. Um sie nicht weiter zu beunruhigen, zogen sich bis auf den Notarzt, den Rettungsassistenten des NEF, dem Zugeführter (welcher am Wochenende auch den Posten des Ordnungsbeamten darstellt) alle Einsatzkräfte zu ihren Fahrzeugen zurück. Natürlich war ich froh, dass wir sie noch rechtzeitig gefunden hatten. In meinem Kopf blieb jedoch erst einmal die Frage nach dem Warum und wie alt sie wohl sie sein könnte, sah sie doch kaum älter aus als ich (21 Jahre).</p>

<p>Nach einiger Zeit, wie lange kann ich nicht sagen, wurde ein KTW für eine freiwillige Einweisung in eine psychiatrische Einrichtung nachgefordert. Bis der KTW eintraf, übernahm ich mit dem Notarzt zusammen die Betreuung der Patientin. Von jetzt auf gleich befand ich mich in einer Einsatzsituation, welche ich bis dahin so noch nicht erlebt hatte. Der Notarzt erklärte, wie sich der weitere Verlauf jetzt gestalten würde. Es stellte sich heraus, dass es nicht das erste Mal war, dass unsere Patientin suizidale Gedanken geäußert hatte und damit eigentlich auch in Behandlung sei. Doch an diesem Tag sei es mal wieder mit der Mutter zum Streit gekommen und sie hätte keinen anderen Ausweg gesehen als diesen, war am Wochenende ihr Psychologe ja nicht erreichbar. Ich bekam das Einsatzprotokol zu sehen und erschrak, als ich sah, dass unsere Patientin nicht wie gedacht, kaum älter sein konnte als ich. Nein, sie war sogar noch jünger.</p>
 ]]></description>
		<pubDate>Tue, 20 Nov 2012 11:53:21 +0100</pubDate>
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</item><item>
		<title>"Ende Mai" von Niko</title>
		<link>http://www.blaulichtgeschichten.de/blaulichtgeschichten/niko/ende-mai.html</link>
		<description><![CDATA[ <p>Ende Mai, das Wetter ist wunderbar. An einem Donnerstag Nachmittag beschließe ich, zur etwa 20 Kilometer entfernten Berufsschule mit dem Fahrrad zu fahren. Durch Hügel und Wald führt mich der Weg, den ich heute probeweise in die Stadt fahren will. Dort angekommen genieße ich ein Radler und ein Eis. Mit meinem MP3-Player in den Ohren fahre ich zurück und genieße "The Bates" - immer und immer wieder die gleichen Lieder. </p>

<p>Am Morgen klingelt mein Wecker. Ich habe noch zehn Minuten zu dösen, bevor ich raus muss.  Es wird schon hell und ich habe den Song „Billie Jean“ im Ohr. Plötzlich ein Piepen, das ich nicht wirklich zuordnen kann. Als ich feststelle, dass es mein Piepser ist, erschrecke ich mich gewaltig. Auf dem Weg zum Feuerwehrhaus der eine Gedanke: „Lass es Nichts schlimmes sein; es ist mein erster Einsatz.“ Das Feuerwehrhaus  ist im Hochbetrieb. Als ich ankomme, rast gerade der Vorrüstwagen los. Während ich meine Sachen aus dem Spint klaube, ruft mir jemand zu, ich solle mich ins Tanklöschfahrzeug setzen und gleichzeitig brummt der Rüstwagen los. Halb angezogen klettere ich ins Tanklöschfahrzeug. Dort erfahre ich, dass es einen Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person gegeben hat. Auf dem Weg dorthin gehen mir tausend Dinge durch den Kopf: Was muss ich nochmal machen? - Billy Jean - Ich muss mir Infektionsschutzhandschuhe anziehen - Independent Lovesong - Was erwartet mich da draußen? Ich kriege den Auftrag Brandsicherheit herzustellen. Der Gruppenführer strahlt Ruhe aus.</p> 

<p>Wir kommen am Ort des Geschehens an. Ein  grauer Opel  war in einer langgezogenen Linkskurve ins Schleudern geraten und mit der Fahrerseite auf einen Pfeiler geknallt. Der Fahrer ist eingeklemmt, die Besatzungen von Vorrüstwagen und Rüstwagen sind dabei, das Fahrzeug zu unterbauen. Der Fahrer ist ein junger Mann, der einen lebendigen Eindruck vermittelt; er redet, gestikuliert und scheint aufgeregt. Das bin ich auch. Mit zittrigen Händen nehme ich den Schnellangriff vor und beginne, die Szenerie zu beobachten. Die Sonne kommt gerade über den Horizont, über den Feldern stehen Nebelschwaden. In der Ferne geht eine Frau mit zwei Hunden spazieren. Ich fühle mich unwirklich, stehe neben mir. Irgendwo in der Ferne in meinem Hinterkopf läuft „Billie Jean".  Die Kameraden fangen an, am Auto zu schneiden, der Rettungsdienst hat einen Zugang bei dem Eingeklemmten gelegt und versorgt ihn mit Sauerstoff. So fidel sieht er jetzt nicht mehr aus. Seine Bewegungen sind fahrig, er schaut sich mit wildem Blick um. Irgendwann reißt er sich die Sauerstoffmaske vom Gesicht und fängt an, wild um sich zu schlagen. Dann wird er ruhig. Als Kameraden versuchen, ihn aus dem Auto zu heben verdreht er die Augen und lässt dann den Kopf hängen. Spätestens jetzt fühle ich mich unwirklich, wie in einem Traum. Beim zweiten Anlauf ihn herauszuheben streifen seine leeren Augen mit der Bewegung des Kopfes, der anscheinend nicht mehr von den Muskeln gehalten wird, über uns. Ich schaudere, mir wird kalt obwohl ich eine dicke Einsatzjacke trage.</p> 

<p>Der Verunfallte wird in den Rettungswagen gebracht. Man kann ganz deutlich sehen, dass er dort reanimiert wird, weil der Rettungswagen rhytmisch wackelt. Während wir unser Werkzeug einpacken, steigt ein Rettungsassistent aus und fährt sich mit der Handkante über die Kehle.  Offensichtlich ist der Verunfallte soeben zum Verstorbenen geworden. 
Auf dem Rückweg betretenes Schweigen, auf der Wache schweigsame Betriebsamkeit. Jeder hängt seinen Gedanken nach. Die Gruppenführer ziehen sich zur Besprechung zurück. Ein Kamerad kann mich mit in die Stadt zur Berufsschule nehmen; er muss dort auch hin. In mir läuft „Independent Lovesong". Der Tag ist so unwirklich schön für das, was gerade eben vor den Toren unseres Ortes passiert ist. In der Berufsschule kann ich mich nicht konzentrieren. Ich stehe immer noch vor dem zerquetschten Auto. Mein Englischlehrer schickt mich nach draußen und bittet mich, mir einen Seelsorger zu besorgen. Das tue ich. Eine dreiviertel Stunde später lerne ich A. kennen, Pfarrerin aus dem Nachbarort. Mit ihr fahre ich nochmal zum Unfallort und stelle Blumen auf. Es dauert drei Tage, bis ich nicht mehr das Gefühl habe, in einer unwirklichen Welt zu sein.</p> 

<p>Vier Monate später fahre ich zum ersten Mal mit dem Rad zur Berufsschule - zusammen mit “The Bates“, die mich auf dem gesamten Weg begleiten ...</p> 
 ]]></description>
		<pubDate>Mon, 12 Nov 2012 13:41:44 +0100</pubDate>
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</item><item>
		<title>"Unklarer Notfall" von tillerman</title>
		<link>http://www.blaulichtgeschichten.de/blaulichtgeschichten/tillerman1/unklarer-notfall.html</link>
		<description><![CDATA[ <p>Es war ein warmer Frühlingsabend vor einigen Jahren. Dennoch denke ich ab und an immer mal wieder dran. </p>

<p>Wir sitzen in gemütlicher Runde zusammen, solange bis der Gong ertönt: „Einsatz 1. RTW, unklar intern ... NEF folgt sobald frei…  .“ Also, zum Auto - abfahren. Ich bin gerade frisch gebackener Rettungsassistent und heute Transportführer auf dem RTW zusammen mit einem erfahrenen Kollegen an meiner Seite.       </p>

<p>Als wir an der etwa sechs Minuten entfernten Einsatzstelle eintreffen und austeigen, werden wir von einem völlig aufgelösten Herrn in den Fünfzigern empfangen. Er  sagt immer und immer wieder: „Meine Schwiegertochter lebt nicht mehr, sie ist tot!“ Wir schauen uns an und  nehmen alles mit, was wir brauchen könnten und laufen ins Haus. </p>   

<p>In einem Badezimmer im Erdgeschoss liegt eine Frau Mitte 30 (!) regungslos auf dem Boden in einer angedeuteten Stabilen Seitenlage. Daneben kniet augenscheinlich der Ehemann und heult, heult was das Zeug hält. „Mein Gott was ist hier los,“  war mein erster Gedanke. Jetzt kommen die Automatismen:</p> 

<p>Patientin auf den Rücken. Vitalfunktionen? Nein. Reanimation – sch...! So jung?  Wie geht das?
Die Automatismen spulen sich ab. Die Maßnahmen laufen. Anamnese nicht vergessen: Ehemann fragen. Keine klaren Aussagen. Verdammt, wo bleibt der NA?</p>                    

<p>Draußen im Flur Tumult. Zwischen dem Geweine der Angehörigen höre ich Kinderstimmen. Ich höre es, verarbeite es aber nicht; es muss weitergehen im Schema. Wir arbeiten routiniert, aber innerlich ruhig ist was anderes.
EKG, Zugang, Supra, die Intubation macht der Kollege. Und nun weitermachen, bloß weitermachen. Endlich, der Doc fährt vor, kurze Übergabe. Weitermachen. Wir räumen den Koffer leer – alles was geht und helfen kann. Weitermachen! </p> 

<p>Aber es hilft nichts. Nach fast einer Stunde brechen wir ab – <a class=\"infobox\" href=\"#\">frustran<span>
ohne Ergebnis, vergeblich</span></a>. Notarzt und der Kollege vom NEF gehen zu den Angehörigen. Ich muss mich setzen, der Badewannenrand tut`s dafür. Der Kollege und ich schauen uns an, wir schütteln beide nur den Kopf bevor wir uns aufraffen und die Patientin herrichten, die Spuren eines ausweglosen Kampfes beseitigen. Nach Rücksprache mit dem NA packen wir unseren Kram und gehen schon mal zum Auto. In der Diele kommt mir der Ehemann mit den Kindern entgegen- die Kinderstimmen!!! Das kleine Mädchen höchsten fünf, fragt mich von Papas Arm herunter: „Habt Ihr meine Mami wieder gesund gemacht?“ Mir wird heiß, meine Augen fangen an zu brennen. Der Kloß in meinem Hals ist groß wie ein Tennisball. Unser NA schaltet sich ein und nimmt die drei zur Seite. </p>    

<p>Ich muss raus – Luft!</p>                                    

<p>Die Rückfahrt ist sehr schweigsam. Auf der Wache wird der Einsatz im Kreise der Kollegen durchgesprochen, aufmunterndes Schulterklopfen, beruhigende Worte - \"abgehakt unter ...\" und \"sollte nicht so sein\".
Und trotzdem, noch heute kann ich mich ganz genau an die Kinderstimmen im Flur erinnern….. </p>   ]]></description>
		<pubDate>Sun, 14 Oct 2012 21:04:38 +0200</pubDate>
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</item><item>
		<title>"Schon ganz blau" von Linda</title>
		<link>http://www.blaulichtgeschichten.de/blaulichtgeschichten/linda/schon-ganz-blau.html</link>
		<description><![CDATA[ <p>Während meines Schnupperpraktikums damals machte der Tod einen großen Bogen um mich. Es war wie beim Welpenschutz unter Hunden. Die wirklich tragischen Einsätze erlebte ich in meinen ersten vier Wochen Praktikum nicht.</p> 

<p>Eigentlich ist das gut. Ich wünsche niemandem etwas Schlechtes, aber ich wollte was lernen und das geht nun mal leider nur, wenn es anderen schlecht geht. Ich hörte viele Geschichten, die manch einem erfahrenem Kollegen nie aus dem Sinn gegangen sind. Einige fragte ich auch oft nach ihrem eindrucksvollsten oder gar schlimmsten Einsatz in ihrer Laufbahn im Rettungsdienst. Fast jeder gab mir die gleiche Antwort: Kindernotfall, im schlimmsten Fall mit Todesfolge. Ich hörte mir an, wie bewegend so ein Einsatz sein muss, vor allem wenn man eigene Kinder hat. Man zieht im Kopf automatisch eine Verbindung und kann sich besonders in die Eltern hinein versetzen. Ich habe keine Kinder, aber die Vorstellung wollte ich mir gar nicht machen. Für mich war und ist ganz klar, eine Kinderreanimation ist der Einsatz, den man sich und anderen einfach niemals wünscht.</p> 

<p>Ich verbrachte den letzten Tag auf der Wache bevor es wieder in die Schule gehen sollte und zog für mich ein Resümee über meine ersten Wochen im Rettungsdienst. Mir wurde klar, dass viele Einsätze keine Notfälle sind, dass die Hemmschwelle der Menschen, die 112 zu wählen, deutlich niedriger ist als ich dachte, wenn auch aus Unwissenheit und dass man sich umso mehr freut, mal wirklich geholfen haben zu können. </p>

<p>Meine Gedanken wurden durch das Geräusch des Melders unterbrochen. Ich freute mich über den bevorstehenden Feierabendeinsatz, den für mich vorerst letzten, bevor es wieder an die Theorie gehen sollte. Da ich als dritte Besatzung keinen Melder hatte, wusste ich wie üblich erst nicht, was uns erwartete. "Nicht ansprechbare Person", murmelte mein Kollege vor sich hin und las plötzlich aufgeregt weiter. "Kind, 4 Jahre!" Während wir uns zügig die Jacken anzogen, sagte mein Kollege zur mir: "Jetzt rennen wir aber mal wirklich" und wir rannten regelrecht zum RTW. Ich muss dazu sagen, wir rennen nie. Man sollte Hans Meisers Notrufhelden da schnell aus seiner Erinnerung löschen, denn niemand sprintet zum RTW wie es gern im Fernsehen dargestellt wird. Wieso auch? Wenn wir dabei hinfallen und uns verletzen, ist dem Patienten, der auf uns wartet auch nicht mehr geholfen. </p>

<p>Wir rannten also tatsächlich die wenigen Treppenstufen und die wenigen Meter bis zum Fahrzeug, so als würde tatsächlich jede Sekunde zählen, die wir an Zeit einsparen konnten. Die Einsatzmeldung stimmte alle nervös, dazu kam auch noch, dass sich der Einsatzort ca. 15 Kilometer von uns entfernt befand. So ist das in der Landrettung manchmal. Der Feierabendverkehr erschwerte den Weg zum Einsatzort nochmal erheblich. Ich ging im Kopf die Maßnahmen durch, die wir ergreifen müssten, wohlwissend das ich nur als Dritter auf dem Auto war und trotzdem den Wunsch hatte auch meinen Teil beitragen zu können. Ich war sehr angespannt und fragte mich, wieso ausgerechnet so eine Einsatzmeldung mir den letzten Tag des Praktikums, den wohl letzten Einsatz des Praktikums verderben würde.</p> 

<p>Die Fahrt kam mir ewig vor. Das NEF fuhr dicht hinter uns. Die Sirenen beider Fahrzeuge vereinten sich zu einem unaufhörlichem Störgeräusch, was meine Nervosität nicht grade verbesserte. Endlich erreichten wir den Ort des Geschehens und mit dem gesamten Equipment plus Kinderkoffer stürmten wir los in das Haus. Die Tür war bereits geöffnet und der Flur zur Wohnung eng. Wir standen wie in einer Reihe, vorne heran der Notarzt, ganz hinten ich. Ich konnte daher auch weder was sehen, noch was hören. Als wir endlich alle einen Platz in dem Wohnzimmer gefunden hatten und die Geräte abgestellt hatten, löste sich die Aufregung langsam auf.</p> 

<p>Auf dem Sofa lag unser kleiner Patient, sichtlich bei Bewusstsein, aber weinend im Arm der Mutter. Unser Notarzt stellte die entscheidende Frage auf dessen Antwort alle gespannt warteten: "Was ist passiert?" Es stellte sich heraus, dass der Junge an einer Phimose, sprich Vorhautverengung leide. Sein Geschlechtsteil habe sich blau gefärbt und der Junge habe geschrien. Die Mutter wusste sich in der Panik nicht zu helfen und rief daraufhin ihren Mann an, der sich aber zu dem Zeitpunkt in Bayern auf Montage befand. Sie berichtete ihm, was geschehen war. Da aber der Junge im Hintergrund die ganze Zeit weinte und schrie, gab es wohl einige Verständigungsprobleme und alles, was bei dem Vater des Jungen akustisch ankam, war: "Er ist schon ganz blau", worauf dieser von Bayern aus den Rettungsdienst alarmierte. Dass nicht sein Sohn blau war, sondern nur ein kleiner Teil von ihm, konnte der Mann nicht wissen. Wir waren erleichtert. Der Notarzt konnte das Problem schnell vor Ort beheben und da sich in dem kleinen Wohnzimmer eh schon so viel Hektik ausbreitete, begab sich die RTW Besatzung nach draußen. Wir lehnten uns ans Auto und atmeten auf, schüttelten den Kopf und ich konnte mir sogar ein kleines Schmunzeln entlocken.</p>   ]]></description>
		<pubDate>Thu, 19 Jul 2012 12:57:31 +0200</pubDate>
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</item><item>
		<title>"Die Flohhütte" von Linda</title>
		<link>http://www.blaulichtgeschichten.de/blaulichtgeschichten/linda/flohhuette.html</link>
		<description><![CDATA[ <p>Man kennt das vielleicht: nachdem man eine Pommesbude betreten hat, hat man hinterher das Gefühl, selbst auch nach Fett zu riechen. So erlebte ich es schon oft, auch bei Patienten. Wohnungen, die nach Rauch, Alkohol, Tieren oder einfach nach Muff rochen, musste ich schon ab und zu mal betreten. Hinterher schnupperte ich immer wieder paranoid an meiner Kleidung, fragte den Kollegen mehrfach, ob ich auch danach riechen würde. Man kennt das. 
Einmal verlor ich einen Geruch den ganzen Tag nicht aus der Nase. </p>

<p>Es war ein Samstag. Wir hatten grade den RTW desinfiziert und ich wusste, immer wenn ich das Fahrzeug desinfiziere, kommt danach ein Patient, der es wieder beschmutzt und meine mühevolle Arbeit zunichte macht. Das gehört dazu, aber ich glaube langsam wirklich, dass ich in der Hinsicht vom Schicksal verfolgt werde. </p>

<p>Wie auch an diesem Samstag. Die Einsatzmeldung "unklare Schmerzen rechte Körperhälfte" ließ die Fantasie spielen. Auf dem Weg zum Einsatzort überlegten wir uns, worum es sich handeln könnte. Da uns die Leitstelle ohne Notarzt losschickte, kam uns Apoplex als mögliche Diagnose nicht unbedingt in den Sinn. Das Grübeln hätten wir uns sparen können. Letztendlich muss man ja sowieso immer ohne Vorbehalt an den Einsatz heran gehen.</p> 

<p>Als wir uns der Adresse näherten, sagte mein Kollege "Welche Hausnummer ist das? Doch nicht etwa die 13, oder?" Doch, die 13. Warum?, fragte ich. "Das ist doch die Flohhütte!" Mir war der Begriff nicht bekannt, ich arbeitete auch erst seit Kurzem dort und mögliche Stammpatienten waren mir zum Großteil noch nicht geläufig. "Du wirst sehen, wieso es die Flohhütte genannt wird. Mach deine Jacke so weit es geht zu. Wir nehmen erstmal nur den Rucksack mit, versuch ihn dort drinnen möglichst nicht auf den Boden zu stellen!", bereitete mich mein Kollege vor. Als wir vor dem Haus hielten, ahnte ich Böses. Ich zog den Reißverschluss meiner Jacke so hoch es ging zu, stopfte meine Haare  unter die Kapuze, setzte mir den Rucksack auf und marschierte Richtung Tor. Es öffnete ein zahnloser alter Mann, der uns den Weg ins Haus zeigte. Es handelte sich um ein altes, baufälliges Haus ohne Fenster oder Fassade. Das Grundstück war sehr ungepflegt, überall lagen alte Metallteile und kaputte Kinderspielsachen rum. Man musste den Tretmienen auf dem Boden ausweichen, die irgendein Tier hinterlassen hatte. Weiter hinten im Garten war allerlei Vieh zu sehen. Im Haus  angelangt überkam uns ein beißender Geruch, der wahrscheinlich von Tierexkrementen kam. Mein Kollege, der schon einmal zu einem Einsatz in diesem Haus war, sagte, dass in der unteren Etage in den Wohnräumen Hühner und Schweine gehalten werden. Daher also der Geruch und die ungewöhnliche Geräuschkulisse. Unsere Patientin sollte sich aber in der oberen Etage befinden. Die Treppe, die uns hinauf führte, sah aus wie kurz vorm Verfall. Ich mochte mich gar nicht am Geländer festhalten, alles wirkte irgendwie morsch und dreckig. Ich habe nie wieder so viele dichte Spinnenweben gesehen wie dort im ganzen Haus verteilt. Oben angelangt, starrten mich gefühlte 100 Augen an. Katzen in allen Ecken. (Nebenbei: ich habe eine Katzenhaarallergie.)</p> 

<p>Mich überkam ein beklemmendes Gefühl, ich wollte flüchten. Doch es hieß natürlich Zähne zusammen beißen. Unsere Patientin saß in einem Nebenraum auf dem Bett, klagte über ein Jucken und Brennen auf der gesamten rechten Körperhälfte. Während mein Kollege mit der Frau eine Anamnese machte, stand ich im Türrahmen mit vor der Brust verschränkten Armen, um bloß nichts zu berühren. Der Raum war an drei von vier Wänden vollbesetzt mit Kuscheltieren, die mit Sicherheit kein Kinderherz mehr erfreuen würden. Auf dem Boden lagen mehrere Schichten Teppiche, unter anderem kleine Vorleger mit bekannten Disneymotiven. Die Katzen starrten mich immer noch an, einige näherten sich und ich hatte das Gefühl, dass sich alles in dem Raum bewegt. Bei genauerem Betrachten waren es die Flöhe, die von den Katzen auf uns absprungen. Ich schüttelte mich. Hatte auf einmal das Gefühl, dass es mich auch überall juckte. Schaute mich um, um mich abzulenken. Ich wollt meinen Ekel der Patientin gegenüber auch nicht so sehr zeigen. Sie schien sich in ihrem Heim ja ganz wohl zu fühlen. Der Schlafraum war auch mit einem Waschbecken ausgestattet, auf dem eine Schüssel mit Wasser stand. Einen Wasserhahn konnte ich nicht entdecken. Auch Lampen gab es nicht, nur Kerzen, die überall verteilt waren und mehrere geöffnete Katzenfutterdosen, die schon zu schimmeln begannen. Ich wollte weg. Wollte raus in mein frisch desinfiziertes Auto. Ich bin kein Hygienefreak, aber jede Minute in diesem Haus wurde ungemütlicher. Wir entschieden, die Patientin ins Krankenhaus zu bringen und weitere Maßnahmen erst im Auto zu treffen.</p> 

<p>Unten angelangt konnten wir befreiter arbeiten. Ein Apoplex konnte ausgeschlossen werden, die Frau hatte Krankenhausunterlagen zur Hand, wo bereits von einer ungeklärten Hautkrankheit berichtet wurde. Wir brachten sie zur erneuten Abklärung ins Krankenhaus. Nachdem wir den Fall übergeben hatten, begannen wir erneut mit der Desinfektion des Fahrzeuges. Ich hatte irgendwie das Bedürfnis danach. Gejuckt hat es mich später auch nicht mehr, aber immer wenn ich jetzt an dem Haus vorbei fahre, denke ich daran zurück und mir kommt dieser Geruch wieder in die Nase. Jetzt weiß ich wieso es die Flohhütte genannt wird.</p> ]]></description>
		<pubDate>Thu, 19 Jul 2012 12:45:02 +0200</pubDate>
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