<?xml version="1.0" encoding="UTF-8" ?>

<rss version="2.0" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/">
	<channel>
			<title>RSS-Feed Blaulichtgeschichten</title>
			<link>http://www.blaulichtgeschichten.de/feed.html</link>
			<description></description>
			<language>en</language>
			<copyright>Blaulichtgeschichten 2006</copyright>
			<ttl>120</ttl><item>
		<title>"Retter in Not" von Christian</title>
		<link>http://www.blaulichtgeschichten.de/blaulichtgeschichten/christian1/retter-in-not.html</link>
		<description><![CDATA[ <p>Ich versah meinen Dienst mit einem etwas älteren Kollegen auf unserem RTW in einem Fußballstadion bei einem Bundesligaspiel. Hauptberuflich sitze ich jeden Tag auf dem Bock. Da ich aber zur Zeit Urlaub hatte, dachte ich über mein soziales Engagement in meiner HIORG nach und kam zu dem Entschluss, dort ehrenamtlich einen Dienst zu schieben.</p>

<p>Während des Spiels sind 4 RTW, 6 KTW und etliche Tragetrupps im Stadion verteilt. Dazu verfügen wir über drei Sanitätsräume, wo sich die Fahrzeugbesatzungen aufhalten und dort das pflegerische Personal unterstützen. Es war nicht viel zu tun. Der RTW blieb während des Spiels schön brav an seinem Standort. Im Sanitätsraum tat sich das Übliche. C² Abusus, Kopfplatzwunden und das ein oder andere internistische Problem. Ca. 10 Minuten nach Spielende wurden wir zu einem dringendem Notfall außerhalb des Stadions alarmiert. Leblose Person hieß es.</p> 

<p>Wir begaben und aus dem Raum in Richtung RTW. Dazu mussten wir uns erst einmal einen Weg bahnen, da sich zahlreiche Fans versammelt hatten. Das Auto steht ca. 20 Meter vom Sanitätsraum weg. Wie man das halt so kennt: Man ruft laut: "Vorsicht, einmal Platz machen bidde." Vor unserem RTW (angelehnt an der Motorhaube) standen zwei stämmige Fans mit Glatze.</p> 

<p>Als ich mich an der Beifahrertür befand, kam einer der Typen auf mich zu und schubste mich. Aus Reflex hüpfte ich an das Heck des RTW. Er wandte sich ab. Als ich erneut einsteigen wollte, riss er an meiner Kleidung und schrie mich an: "Halt die Fresse, sonst klatsch ich dich da in deinen Krankenwagen." Ich war sehr überfordert mit der Situation und versuchte irgendwie in den RTW zu kommen. Nicht zu vergessen, immer im Hinterkopf: Dort hinten wartet ein lebloser Mensch auf mich. Als er an mir riss, fiel mein zwei Meter Funk aus der Tasche und ging zu Bruch. In dem Moment holte der Typ aus und schlug mit mit voller Wucht ins Gesicht. Danach rannte er zur Fahrertür und ging ebenfalls meinen Kollegen an. Ein paar Ordner beobachten das Getümmel und griffen ein.</p> 

<p>Wir begaben uns mit Blaulicht und Horn durch die Masse  und waren sehr aufgekratzt. Ich blutete an der Nase. Da ich keine Hilfe über die Einsatzleitung holen konnte, entschlossen wir uns das Ding jetzt (selber verletzt) durchzuziehen. In all der Aufregung beachtete ich unser Funkgerät nicht. Beim Patienten angekommen reanimierten bereits Passanten. Wir zogen über 45 Minuten die Rea mit dem mittlerweile eingetroffenem NEF und den Stadionärzten durch. Mit Erfolg, der Patient überlebt!! Transportiert hat ein anderer RTW.</p> 

<p>Danach wurde uns bewusst, was uns geschah. Wir sind von einem besoffenem Fan angegriffen worden, weil wir Menschenleben retten mussten. Sicher wird das ganze strafrechtlich verfolgt. Leider hab ich bisher nichts von der Staatsanwaltschaft gehört.</p> 
                                    ]]></description>
		<pubDate>Tue, 24 Apr 2012 21:10:35 +0200</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.blaulichtgeschichten.de/blaulichtgeschichten/christian1/retter-in-not.html</guid>
</item><item>
		<title>"Immer wieder Sonntags?!" von Paul</title>
		<link>http://www.blaulichtgeschichten.de/blaulichtgeschichten/paul/immer-wieder-sonntags.html</link>
		<description><![CDATA[ <p>Es ist Sonntagabend und ich warte mit einem Kumpel darauf, dass unsere Pizza fertig wird, als mal wieder der Pieper und draußen die Sirene Alarm geben. Mit der knappen Information, dass sich in A-Dorf am Bahnübergang ein Verkehrsunfall mit einer verletzten Person ereignet hat, springe ich in die Einsatzhose und begebe mich schnellstens zum Feuerwehrhaus. </p>

<p>Noch auf dem Weg werde ich von einer Verwandten, die am Fenster ihres Hauses steht, gefragt, was los ist. „Verkehrsunfall!“, rufe ich ihr zu - mehr weiß ich ja auch nicht, auch wenn ich schon eine Vorahnung habe. Es wäre nicht das erste Mal, wenn jemand versucht hat, sich an diesem Bahnübergang das Leben zu nehmen. Zuletzt war es vor wenigen Monaten der Fall.</p>

<p>Im Feuerwehrhaus ist noch nicht viel los, nur wenige sind schon da. Aufgrund der kalten Wetterlage (es ist Januar) ziehe ich mir Überhose und Überjacke an, nehme meinen Helm und setze mich ins Fahrzeug, welches sich nun rasch füllt. Wenige Augenblicke später haben wir die Fahrzeugstärke von 6 Kameraden erreicht und rücken aus. Unser Gruppenführer schaut nach hinten, schaut wen er wo einsetzen könnte, wenn nötig. Alle, die hinten sitzen, sind als First Responder ausgebildet, sogar unser Rettungsassistent ist dabei. Die Handschuhbox macht die Runde, gleich sind wir da.</p>

<p>Wir fahren die Einsatzstelle durch eine Seitenstraße an, müssen jedoch etwa 200m vor dem Bahnübergang halten, da zwei Reisebusse uns die weitere Fahrt versperren - warum auch immer. Eine Lärmschutzwand trennt uns von den Gleisen, in Richtung des Übergangs sehen wir orangenes Licht flackern. „Brennt da was? Aber das würde doch anders aussehen?“, geht mir durch den Kopf, als unser Maschinist das Fahrzeug zum Stehen bringt. Mit der Anweisung, unsere First-Responder-Ausrüstung zur Einsatzstelle zu bringen, sitzen wir ab und entnehmen das Equipment aus dem Aufbau. Beim Spineboard klemmt etwas, sodass ich gemeinsam mit einer Kameradin zu zweit vorgehen soll, während unser Rettungsassistent mit dem anderen Kameraden versucht, das Rettungsbrett rauszuholen. „Verdammt, können sich die Leute nicht mal anders umbringen?“, rutscht mir auf dem Weg dorthin raus.</p>

<p>Der Gruppenführer unserer Nachbarwehr schaut uns an. „Die Verletzten sind alle weg!“ Wie bitte? Jetzt schon? Ein Kamerad der A-Dorfer Feuerwehr bittet mich kurz zu ihrem Fahrzeug zu kommen, damit er aufschreiben kann, mit wie vielen Leuten unsere Wehr angerückt ist. Er erklärt mir, dass der Unfall bereits eine Stunde her ist und die Verletzten schon in der Klinik sind. Ein Auto sei trotz geschlossener Schranke auf den Bahnübergang gefahren und wurde vom Zug „nur“ an der Seite touchiert. Nun sehe ich auch, dass der stark deformierte Kleinwagen auf einem Abschleppwagen steht, von dem auch das orangene Blinklicht kommt.</p>

<p>Wir sollen noch die andere Wehr dabei unterstützen, den Zug zu evakuieren, da dieser durch den Aufprall beschädigt wurde und vorerst nicht mehr weiterfahren kann. Brauchen wir nicht mehr, es sind bereits alle unversehrt aus dem Regionalzug raus und sind auf dem Weg zu den bereitstehenden Ersatzbussen. Unser Job ist hier beendet und alle sind froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist.</p>

<p>Eigentlich wäre die Sache damit abgeschlossen - jedoch: Warum fuhr die Frau um die geschlossenen Schranken herum? Als ich wenige Stunden später ins Internet gehe, ist bereits ein Bericht der lokalen Zeitung hoch geladen und zur Diskussion freigegeben. Dort zerreißt sich das Volk ihre virtuellen Mäuler über das Ereignis. Ist ja immer der Fall, eigentlich wollte ich dem nicht weiter Beachtung schenken, als mir jedoch ein Beitrag auffiel. „Die ist noch zu unversehrt davon gekommen!“, schreibt eine Frau. Was mich daran fassungslos macht: Sie ist Mitglied einer Hilfsorganisation in der Nachbarstadt. Auch, wenn es mal wieder ein Suizidversuch war, bisher dachte ich immer, dass sich alle Einsatzkräfte freuen, wenn es glimpflich ausgeht … </p>    ]]></description>
		<pubDate>Fri, 13 Apr 2012 15:11:23 +0200</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.blaulichtgeschichten.de/blaulichtgeschichten/paul/immer-wieder-sonntags.html</guid>
</item><item>
		<title>"Mein erstes Horrorszenario" von Sarah</title>
		<link>http://www.blaulichtgeschichten.de/blaulichtgeschichten/sarah1/mein-erstes-horrorszenario.html</link>
		<description><![CDATA[ <p>Es war ein Freitag, der 18.11. 2011 als ich mich von dem lauten Piepen meines Funkmelders erschrak. Gemeldet wurde ein Verkehrsunfall Stufe 2, eingeklemmte Person, Näheres nicht bekannt. Ich hatte das erst hinterher gelesen, da ich mich schnurstracks auf den Weg zum Feuerwache-Haus begab.  </p>

<p>Am Feuerwache-Haus angekommen, sah ich von Weitem auf der Straße Blaulicht, der VU ereignete sich vielleicht 300 Meter unseres Feuerwache-Hauses entfernt, daher lief ich zu Fuß dorthin, wo mich ein Bild des Chaos und der Verwüstung den Atem stocken lies.
Zu sehen war ein Verkehrsunfall zweier Autos. Eines der beiden Autos lag fast auf einem Grundstück, auf der Seite liegend. Mir blieb keine Zeit lange drüber nachzudenken, wie dieser Unfall zustande kam; ich musste einfach funktionieren. So begab ich mich auf der Stelle zu unserem Gruppenführer bzw den  Leiter des Einsatzes!</p>

<p>Da ich noch nicht so lang aktiv bei der Freiwilligen Wehr dabei bin, erst seit meinem 18. Lebensjahr und somit erst seit 2010, war dies in meiner bisherigen Zeit im aktiven Dienst der schlimmste Einsatz. Das machte sich bei mir auch rasch bemerkbar. </p>

<p>Ich half meinen Kameraden bei der Vorbereitung des Bereitstellungsraumes, bereitete die Sachen vor, Schere, Spreizer und all das andere, was man für so einen schwierigen Einsatz braucht. In der Zeit traf auch eine benachbarte Löschgruppe ein, bei denen wir ebenfalls halfen. Es ist nicht schön so ein Einsatzgeschehen hautnah mitzuerleben, da man sich auch so seine Gedanken macht: Geht es dem Patienten gut? Wie ist das nur passiert? Man fühlt in dem Moment auch einfach nur mit. Ich sah, wie sich die benachbarte Feuerwehr an die Arbeit machte so schnell wie möglich die Person zu befreien. Im Auto bei dem Verunfallten sah man einen Kollegen vom Rettungsdienst, der versuchte den Patienten bei Bewusstsein zu behalten, sprach mit ihm, usw.  </p>

<p>Gedanken macht man sich auch irgendwie darum, warum es immer wieder so viele Schaulustige gibt, denen es scheinbar Spaß macht, die Arbeit der Feuerwehr aber auch des Rettungsdienstes zu „behindern“, denn das erlebten wir auch. So versuchte ich mich darum zu kümmern, die Personen vom Einsatzort und Einsatzgeschehen fernzuhalten, was mir allein nicht gelang. In der Zwischenzeit gelang es dann der Feuerwehr und auch dem Rettungsdienst die verunfallte Person aus dem total demolierten, zerdrückten, und zerschnittenen Auto zu befreien. Ich hielt mit einem Kameraden meiner Löschgruppe eine Decke zum Sichtschutz für den Patienten, um Blicke der Schaulustigen fernzuhalten. Trotzdem gab es immer wieder die ein oder andere Person, die den Einsatzort behinderte. </p>

<p>Nachdem der Verunfallte versorgt und in ein Krankenhaus gebracht wurde, räumten wir unsere Gerätschaften wieder ein. Die Polizei machte Fotos vom Unfallort, den Unfallautos, nahm Zeugenaussagen auf und so weiter. Ich sah mir die Unfallstelle noch einmal genau an und machte mir den ganzen Einsatz über Gedanken. Ich funktionierte aber irgendwie. Was bleibt einem auch anderes übrig?!</p>    

<p>Dieser Einsatz war, wie schon geschrieben, mein schlimmster Einsatz bisher, und trotzdem war er dennoch so Nerven aufreibend, traurig, löste Bestürzung aus, machte mich nachdenklich. Furchteinflößend, wie schnell man in so eine Lage gelangen kann. Dennoch war man auch erfreut, wie gut letztendlich alles geklappt hat, die Rettung des Verunfallten, und alles, was dazu gehört vom Anfang bis hin zum Ende des Einsatzes. Zuerst musste ich viel darüber nachdenken. Habe auch Tage und Wochen danach noch immer daran gedacht: daran wie es dem Verunfallten nun geht, wie andere Kameraden damit umgehen oder umgegangen sind und vieles mehr. </p>

<p>So etwas zu erleben, ist nicht schön. Man muss sich dran gewöhnen. Es gehört zu unserem Job, dennoch fällt es auch mir nicht leicht nach so einem Einsatz einfach zu tun, als wäre nichts gewesen, als hätte ich so etwas nie gesehen. Denn so ein zuvor noch nie erlebtes Horrorszenario bleibt irgendwie immer in Erinnerung.  </p>
                                                                           ]]></description>
		<pubDate>Tue, 28 Feb 2012 22:10:19 +0100</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.blaulichtgeschichten.de/blaulichtgeschichten/sarah1/mein-erstes-horrorszenario.html</guid>
</item><item>
		<title>"Zwischen zwei Tatü-Tatas" von Lynne</title>
		<link>http://www.blaulichtgeschichten.de/blaulichtgeschichten/lynne1/zwischen-zwei-tatue-tatas.html</link>
		<description><![CDATA[ <p>„Was für ein Tag.“ Mit diesen Worten betrat meine Kollegin Sarah die Leitstelle. Ich folgte ihr und hatte eigentlich nicht das Gefühl, dass es ein stressiger Tag war.</p> 
<p>Während wir mit den Kollegen redetet, traf ein Notruf ein. Robert nahm den Anruf an und auf die Frage des anderen Kollegen, ob er einen RTW benötigt, meinte er, er bräuchte einen NAW bzw. einen RTW und ein NEF. Da wir lagetechnisch am nächsten waren, düsten wir los. Die Einsatzmeldung lautete: „Herzbeschwerden, männlich“, der Einsatzort war die Raststätte der nahen Autobahn. Problem war nur, dass wir nicht genau wussten, wie wir auf die Raststätte der Autobahn Süd kommen (bzw. auf den Schleichweg zum Umgehen des BAB-Verkehrs). Trotz Anweisungen der Leitstelle haben wir uns etwas verfahren, trafen jedoch vor dem Notarzt ein. In der Raststätte saß ein relativ fitter Mann, der uns berichtete, dass es ihm eigentlich ganz gut geht und er nur heute vergessen hatte, seine „Wassertablette“ einzunehmen. Als dann das NEF eintraf, brachten wir ihn in den RTW und untersuchten ihn. Allmählich wurde aber auch ihm der Ernst der Lage bewusst und er entschied sich, mit uns zu fahren. Sein Zustand hatte sich sehr verschlechtert und ich fuhr relativ zügig mit Sondersignal los. Unterwegs dachte ich über den Mann nach und sah im Rückspiegel die Arbeit der beiden Kollegen.  </p>

<p>Als wir dann im nächsten Krankenhaus in der Wagenhalle standen, lief ich schnell nach hinten um die Trage herauszuholen... und machte eine erschreckende Feststellung. Vor mir lag ein schwerkranker, zyanotischer und apathischer Mann, dessen Zustand, wie es mir schien, sich zwischen zwei Tatü-Tatas um Vielfaches verschlechtert hatte.
So schnell wie wir konnten fuhren wir ihn auf die Intensivstation und überließen ihn den Händen der Ärzten. Sie überlegten nicht lange und bereiteten die Intubation vor. </p>       

<p>Sarah und ich verließen das Krankenhaus so schnell wie möglich und begaben uns in unseren Kreis, wo wir selber kaum zum Atemholen kamen.</p>                                                      

<p>Doch dieser beeindruckender Einsatz und den Ernst der Lage vergaß ich nie.</p>               ]]></description>
		<pubDate>Mon, 27 Feb 2012 22:34:02 +0100</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.blaulichtgeschichten.de/blaulichtgeschichten/lynne1/zwischen-zwei-tatue-tatas.html</guid>
</item><item>
		<title>"Einerseits erfolgreich" von Paul</title>
		<link>http://www.blaulichtgeschichten.de/blaulichtgeschichten/paul/einerseits-erfolgreich.html</link>
		<description><![CDATA[ <p>Sonntagmorgen, sieben Uhr. Ich bin kurz wach und gucke auf die Uhr. „Genial, du kannst noch schlafen! Musst nur nachher noch deinen Pieper umstellen …“, denke ich mir und drehe mich um. Dieser Plan wird jedoch von der in diesem Moment von draußen ertönenden Sirene und dem weniger Momente später auslösenden Pieper über den Haufen geworfen. Schnell springe ich aus dem Bett, schaue auf dem Piepser nach, was anliegt. Ich wohne leider in einem Funkloch und so bleibt mir diese Information vorbehalten. Egal, du erfährst es früh genug. Ich ziehe mir die Einsatzhose an und laufe zum Feuerwehrhaus. Mal wieder der Erste. Ohne Schlüssel kann man dann nur warten. Ein paar Momente später kommen ein paar Kameraden mit ihren Autos auf den Hof gefahren. „Du hast schon was an, sehr gut, dann mach schnell das Tor auf!“, begrüßt mich ein Kamerad.</p>

<p>Während ich das Tor hochziehe, frage ich: „Was liegt eigentlich an?“ „Verkehrsunfall in A-Dorf am Bahnübergang.“ Hm. Das kann alles Mögliche sein. Kurz darauf sitze ich im Fahrzeug und mit Sondersignal geht es in den Nachbarort. Unser Gruppenführer schaut nach hinten. „Verkehrsunfall, dann zieht euch schon mal Handschuhe an …“ Gesagt, getan. Inzwischen hat sich das Einsatzstichwort zu „Person unter Zug“ verändert. Über Funk wird gemeldet, dass die Feuerwehr A-Dorf an der Einsatzstelle angekommen ist. Gott sei Dank - wir sind nicht die Ersten! Als wir in den Ort hineinfahren, hören wir auf dem Funkkanal: „Person liegt auf dem Gleis und lebt“. Stille. Damit hat keiner gerechnet.</p> 

<p>Wir sind da. Am Bahnübergang stehen bereits mehrere Fahrzeuge, auch schon Rettungswagen und Notarztfahrzeug. Unser Gruppenführer wirft sich seine Funktionsweste über und dreht sich nochmal um: „Bringt mal die ganze First-Responder-Ausrüstung an den Übergang. Ich gehe mal zu den anderen Führungskräften. Während er sich auf den Weg macht, ziehe ich die Absaugpumpe aus der Verankerung, setze den Notfallrucksack auf und gehe mit einem Kameraden, der die restliche Ausrüstung trägt, in Richtung der Gleise.</p> 

<p>Er ist Rettungsassistent, hat das alles schon mal gesehen und geht forschen Schrittes vor. „Nicht so weit!“, denke ich mir. „Halte dich bloß zurück, das wird schlimm aussehen!“ Neben der Schranke stellen wir die Sachen ab und schauen in Richtung der Verletzten. Fünfzig Meter von uns entfernt knien vier vom Rettungsdienst und versorgen die Patientin. Weitere hundert Meter davon entfernt steht ein Güterzug.</p>

<p>„Unsere Ausrüstung wird nicht mehr benötigt. Ihr könnt sie wieder zurück bringen“, sagt uns unser Gruppenführer wenige Augenblicke später. Soll mir ganz recht sein. Am Fahrzeug angekommen, hören wir, dass <a class="infobox" href="#">Christoph XY<span>Name für Rettungshubschrauber</span></a> ebenso angefordert wird. Wir stehen noch fünf Minuten am Fahrzeug, sehen, wie die Person in den RTW gebracht wird und schweigen überwiegend, bevor unser Gruppenführer den Befehl zum Abrücken gibt. Als wir starten, fliegt der Rettungshubschrauber über uns weg und landet. Er wird die Person in die <a class="infobox" href="#">MHH<span>Medizinische Hochschule Hannover</span></a> bringen. Über Funk hören wir, wie ein weiterer RTW und der Notfallseelsorger angefordert werden. Es muss sich auch um den Lokführer gekümmert werden. Warum wir das nicht machen mussten, bleibt offen.</p> 

<p>Zuhause angekommen lege ich mich nochmal einen Moment ins Bett. Ich sehe das Bild vor mir, der Rettungsdienst, der die Verletzte versorgt und den dahinter stehenden Zug. Ich frage mich, ob es ein Unfall oder ein Suizid war. Und mache mir klar, dass das dazugehört und ich froh sein kann, die Betroffene nicht genauer gesehen habe.</p>

<p>In den nächsten Tagen kommt heraus, dass die Verletzte um die 20 Jahre alt ist, schwerstverletzt wurde und es ein Suizidversuch war. Keine bekannte Person. Kam aus der Nachbargemeinde. Der Schaffner hatte sie schon von Weitem gesehen und versucht zu bremsen, nahezu erfolglos bei einem voll beladenen Autozug. Die junge Frau wurde weggeschleudert und schlug hart auf den Gleisen auf. Letztens habe ich gehört, sie soll überlebt haben und im Rollstuhl sitzen. Der Rettungskräfte haben ihr Bestes gegeben und waren erfolgreich. Einerseits ...</p>   ]]></description>
		<pubDate>Fri, 30 Dec 2011 11:29:03 +0100</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.blaulichtgeschichten.de/blaulichtgeschichten/paul/einerseits-erfolgreich.html</guid>
</item><item>
		<title>"„Jetzt ‘nen schönen VU ...“" von Andreas</title>
		<link>http://www.blaulichtgeschichten.de/blaulichtgeschichten/andreas1/jetzt-nen-schoenen-vu.html</link>
		<description><![CDATA[           
<p>Es war ein schöner Sommertag, dieser Freitag. Irgendwo  waren die ersten Schulferien angebrochen, aber da ich zu diesem Zeitpunkt noch keine Kinder hatte, interessierte mich das wenig. Die Sonne schien, ließ auf ein Wochenende irgendwo am Wasser hoffen. Wir hatten als RTW-Besatzung Langeweile, genau wie das zweite Team und der NEF-Fahrer. Die zwölf Stunden-Schicht zog sich ohne nennenswerte Vorkommnisse hin, lediglich eine Fahrt verhinderte bislang die Nullrunde. Sogar unsere KTWs hatten wenig zu tun. Also lümmelten  wir uns nach dem Mittagessen im Rudel auf die Sessel und Sofas der Rettungswache. „Booah, is datt langweilich! Haste mal’n Rätselheft für Omma?“ flachste einer, irgendwer meinte: „Jetzt ‘nen schönen <a class="infobox" href="#">VU<span>Verkehrsunfall</span></a> ...“ „Oh ja!“ „Och nö, lieber noch einen Kaffee!“ Selbst auf ostfriesischen Rettungswachen ist Kaffee  der Treibstoff, der uns am Laufen hält. An so einem Tag allerdings nur zum Klo. VU ist übrigens die Abkürzung für Verkehrsunfall. Ein VU stellt uns vor Herausforderungen, die nicht nach Schema F ablaufen, wie z.B. ein Herzinfarkt.  Wenn man die Herausforderung bewältigt, kann ein VU schön sein. </p>    

<p>In diese träge Stimmung und Philosphie hinein platzte die erste Fünftonmelodie. Damals hatten wir noch FME, die analog arbeiteten und ab der Alarmierung auch das Mithören des Funkverkehrs erlaubten. Normalerweise heißt es Fünftonfolge, weil nach eben diesen Anfangstönen ein langes Piepen die anschließende Durchsage mit den Einsatzdaten einleitet. Mehr oder weniger gespannt warteten wir also auf den Grund der mittäglichen Ruhestörung. Diese erste Folge war nur der Anfang. Eine schier endlose Reihe von Alarmierungen  ließ uns schlagartig wach werden. Die Stimme des Disponenten war bemüht ruhig: „ NEF-Einsatz aa/31, RTW-Einsatz für RD aa/41 und 42,  bb/41, cc/41, dd/41 mit Notarzt! ee/41: Weiterfahrt mit Sonderrechten! Schwerer VU Bundesstraße 4xx, Ortsausgang L., Höhe E.“ </p>  

<p>Nix mehr mit rätselheft, nix mehr mit Kaffee. Dafür VU. Rein in die Schuhe, über den Hof in die Autos. Mein erfahrener Kollege übernimmt das Lenkrad. Ich als relativer Neuling greif mir den Funkhörer. Die einzelnen Fahrzeuge melden nacheinander Ausfahrt, warten begierig auf weitere Informationen. Ein Frontalzusammenstoß, mehrere Schwerverletzte, wenigstens einer eingeklemmt, "<a class="infobox" href="#">Christoph<span>Name für Rettungshubschrauber</span></a>" kommt auch, ebenso die Feuerwehr- so viel erfahren wir auf den drei Kilometern zum Einsatzort. Die Anfahrt gestaltet sich ab der Ortsausfahrt einfach: vor uns staut sich der Freitagfeierabendverkehr, aber die Gegenfahrbahn ist komplett leer. Das lässt nichts Gutes vermuten.</p>       

<p>Ein Transporter steht mittig, die Front zerstört. Am Straßenrand hängt ein Kombi halb im Graben, ebenfalls vorne deutlich zerstört. Durch ein Abschleppseil, das mit einem anderen Auto quer über die Straße gespannt wird, sichern Ersthelfer den Kombi vorm Abrutschen. Auf der anderen Seite des Wracks ersetzt ein Baum die B-Säule. Die ersten Fahrzeuge von uns sind da, ein RTW war zufällig in der Nähe. Die Kollegen schicken uns neben den Kombi, wo am Grabenrand ein Körper von zwei Erstelfern reanimiert wird, das blutige Gesicht mit einem Taschentuch abgedeckt.</p>       

<p>Eine Frau, erkenne ich, als ich ihr das T-Shirt aufreiße, um das EKG zu kleben. Am Hals eine tiefe Wunde, wohl vom Gurt. Der Kollege versucht eine Intubation, die irgendwie gelingt. Wir versuchen, das Programm abzuspulen, bekommen mit, dass unser Notarzt irgendwo noch jemanden reanimiert. Um uns herum Martinshörer, Polizei, Feuerwehr, wir,  mit immer noch mehr Fahrzeugen. Kommandos, dazwischen das Geräusch vom Christoph, der einen Landeplatz sucht. Ich bemerke ein Beinpaar in Sandalen und Shorts, das neben mir steht, während ich den Brustkorb bearbeite, die Beine haben Kratzer. Wohl einer der Helfer, die angefangen haben. Ein weiterer Kollege kommt, sucht Venen für die Infusion, findet was. Respekt. Die Beine verschwinden, das Leben auch. Die Pupillen werden immer unförmiger,  Zeichen des Todes. Von irgendwo kommt ein Notarzt, guckt, bricht unsere Bemühungen ab. </p> 

<p>Ich fange an, mich umzusehen. Überall wimmelt es von Feuerwehr, Polizei, Rettern. Auch Schaulustige. Über vierhundert sollen es gewesen sein, erfahre ich später. Die Bundesstraße hält sie gefangen. Im Auto wird’s heiß, hier ist Action, also kommen sie. Mein Blick fällt auf eine Person. Eine einzige Person, die für das Spektakel keinen Blick hat. Er sitzt auf der anderen Straßenseite, den Rücken zum Geschehen, schaut in die Weite der ostfriesischen Weiden. Ich geh zu ihm, erkenne zerkratzte Beine, Sandalen, Shorts. Oha, einer der ersten Helfer, dem jetzt klar wird, was passiert ist. „Kann ich helfen, geht es Ihnen gut?“ frage ich. 
„Wie geht es meiner Frau?“ fragt er. </p> 

<p>Wir bringen ihn in unseren RTW, weichen seinen Fragen aus. Wir wissen es nicht, sagen wir, es sind schon Verletzte im Krankenhaus. Bis auf die Kratzer ist er weitgehend unverletzt. Sie kommen aus Brandenburg, wollten Urlaub machen, ab heute. Hatten sich ein Ferienhaus gemietet, waren Einkaufen. Auf dem Rückweg war da der Transporter, plötzlich auf ihrer Fahrbahn. Er hatte vorne rechts gesessen, seine Frau hinter ihm, das befreundete Ehepaar links.</p>      

<p>Die Bilanz: aus dem Kombi sind der Fahrer und die Beifahrerin von hinten rechts tot, die Frau des Fahrers hinten links schwer verletzt, der Beifahrer leicht. Der Fahrer des Transporters ist ebenfalls schwer verletzt, warum vermutlich er  auf die Gegenfahrbahn gekommen ist, weiß ich bis heute nicht. </p>

<p>Auf der Wache war der Kaffee kalt. Wochen später stand in unserer Ortszeitung eine Anzeige, in der sich ein Mann und eine Frau aus Brandenburg für die Hilfe bedankten, die ihnen bei einem Verkehrsunfall zuteilwurde, an einem Sommertag. Schöne Sommertage gibt es immer noch, schöne VU nicht mehr.</p>        ]]></description>
		<pubDate>Wed, 30 Nov 2011 23:14:59 +0100</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.blaulichtgeschichten.de/blaulichtgeschichten/andreas1/jetzt-nen-schoenen-vu.html</guid>
</item>	</channel>
</rss>
