06.04.2010

Miteinander-Verbundensein

Autor: Thomas Gebhardt

In Uetze durften wir eine Einweisung in ein Krankenhaus fahren. So erreichten wir den „Einsatzort“ und sagten erstmal höflich „Hallo“. Mal gucken was uns hier erwartet: wie sind die Leute drauf? Gibt es Treppenhäuser oder müssen Türe ausgehängt werden? Stehen sonstige Möbel im Weg oder ist da vielleicht ein Haustier welches uns nicht mag? Alles kleine Dinge, die man lieber im Vorfeld beachten sollte – das macht so die Erfahrung im Job.

Wir wurden bereits erwartet. Ein netter alter Herr öffnete uns freundlich die Tür. Er führte uns durch das alte Haus und in der Küche saß eine süße, alte Oma. Diese sollte ins Krankenhaus. Sie war schon vor langer Zeit erblindet und konnte sich nur noch tastend fortbewegen. Wir stellten sie auf die Füße, und sie hakte sich bei mir ein. „Herr Müller-Schmidt-Meier, ich und ihre Frau, wir gehen jetzt zum Tanzen. Frau Müller-Schmidt-Meier, darf ich bitten“ sagte ich in den Raum und führte ihren Arm über meinen angewinkelten. Eine nette Stimmung machte sich breit. Als wir dann den Weg von der Haustür zum Krankenwagen gingen, tippelte der ältere Herr weit hinter uns her, während der Kollege das Gepäck trug, und ich die Oma ausführte.

„Else, ich bin bei dir“, sagte der Mann, und die Frau sagte: “Ich weiß. Das spüre ich“. Da lief es wie ein Schauer meinem Rücken hinunter. Das muss diese wahre Liebe sein, von der ich schon mal gehört hatte. Das Miteinander-Verbundensein. Diese emotionale Intelligenz, das Verstanden sein, ohne es angesprochen zuhaben. So gingen wir weiter, als die Oma sagte: „ Du musst aber nicht weinen, mir geht es gut“. - „Ich weine doch gar nicht“, sagte der Opa. „Ich kann dich zwar nicht sehen, aber ich merke alles“, antwortete sie.

Schweigend tippelte der Mann mit Tränen auf der Wange weit hinter uns her, während sich mir der nächste Gefühlsschauer unterlief. Das will ich auch mal haben – dieses Gefühl des Wissens, ohne es bestätigt zuhaben. Das ist es – genau das, was das Leben so lebenswert macht.

Diese Geschichten kann man nur auf einer Schicht auf dem Krankenwagen erleben - mein jetziger Schreibtisch ist stumm und dumm.

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Titel: Veröffentlicht am:
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