06.04.2010

Über Krankentransporte

Autor: Thomas Gebhardt

Zu den Aufgaben des Rettungsassistenten gehört auch der leidliche Dienst auf dem Krankenwagen. Er muss also seinen 8-Stundentag damit verbringen, Kranke von A nach B zu schippern. Seien es Einweisungen in ein Krankenhaus oder eine Entlassung aus diesem, sei es ein Transport zum oder vom Arzt, sei es aber auch, wenn Oma Weihnachten noch mal mit der Familie unter oder am Tannenbaum verbringen möchte.

Je nachdem, wer einen diesen oder anderen Transporten bezahlt (Krankenkasse oder privat), auch da steht der Rettungsassistent mit der Trage oder dem Tragestuhl seinen Mann – oder Frau. Diese Einsätze hießen immer: „Ihr habt 'ne Fahrt“.

Es war schon doof, wenn die Besatzung des Rettungswagens auf dem Sofa liegend „Dallas“ anschaute und wir Armen von der Krankenwagenbesatzung die Kranken durch unsere Straßen kutschierten. Da kam es schon vor, dass wir vom Krankenwagen überhaupt keine Pause nehmen konnten, war der Arbeitsaufwand zu groß. Teilweise war noch nicht einmal eine Mittagspause drin, und dann musste schon mal ein Schokoriegel als Mittagessen herhalten. Während die anderen sich vor Langeweile nach dem Sinn ihrer Schicht den Kopf zerbrachen, besuchten wir abwechselnd die Arztpraxen und die anliegenden Krankenhäuser.

In unserer Stadt war (oder ist sogar immer noch) ein ansässiger Chirurg tätig, der sich auf ambulante Operationen spezialisiert hatte. Das ambulante Operieren war damals sehr wenig verbreitet, und sehr, sehr, sehr viele Kranke fanden das toll, am Abend wieder im eigenen Bett zu schlafen. Nur blöd, wenn diese dann aufs Klo mussten und es niemanden gab, der eine helfende Hand zum dicken schmerzenden Knie geben konnte. So durfte es auch durchaus passieren, dass im Rahmen einer Hilfeleistung, der Rettungswagen der Nachtschicht zu diesem Kranken fuhr, um eine Hilfeleistung um 3:00 Uhr morgens zu geben, weil dieser ja unbedingt Zuhause Pipi machen wollte. Die Praxis war zwar eine finanzielle Goldgrube für unsere Rettungswache, aber verhasst, wegen der vielen Arbeit und der damit verbunden lästigen „Fahrt“.

Es gibt aber auch Krankentransporte, die durchaus ihre Erzählung haben dürfen. Denn auch diese Patienten sind Menschen, und der Rettungsassistent finanziert hiermit seine Arbeitzeit, wenn er mal auf dem Sofa „Dallas“ oder gern auch mal „Lassie“ schauen durfte. Alles hat seine Schattenseiten.

Ich will hier von Krankentransporten berichten, um das Bild der Rettungsassistenten zu erweitern. Hier gab es auch mal Trinkgeld, welches wir selbstverständlich NIEMALS angenommen hatten. War es doch verboten worden. Koniotomie mit dem Kugelschreiber, Intubation und Reanimation samt Polytrauma ist zwar prima zu erzählen, es gibt aber anderes in diesem Berufsbild.

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Titel: Veröffentlicht am:
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