28.02.2012

Mein erstes Horrorszenario

Autor: Sarah

Es war ein Freitag, der 18.11. 2011 als ich mich von dem lauten Piepen meines Funkmelders erschrak. Gemeldet wurde ein Verkehrsunfall Stufe 2, eingeklemmte Person, Näheres nicht bekannt. Ich hatte das erst hinterher gelesen, da ich mich schnurstracks auf den Weg zum Feuerwache-Haus begab.

Am Feuerwache-Haus angekommen, sah ich von Weitem auf der Straße Blaulicht, der VU ereignete sich vielleicht 300 Meter unseres Feuerwache-Hauses entfernt, daher lief ich zu Fuß dorthin, wo mich ein Bild des Chaos und der Verwüstung den Atem stocken lies. Zu sehen war ein Verkehrsunfall zweier Autos. Eines der beiden Autos lag fast auf einem Grundstück, auf der Seite liegend. Mir blieb keine Zeit lange drüber nachzudenken, wie dieser Unfall zustande kam; ich musste einfach funktionieren. So begab ich mich auf der Stelle zu unserem Gruppenführer bzw den Leiter des Einsatzes!

Da ich noch nicht so lang aktiv bei der Freiwilligen Wehr dabei bin, erst seit meinem 18. Lebensjahr und somit erst seit 2010, war dies in meiner bisherigen Zeit im aktiven Dienst der schlimmste Einsatz. Das machte sich bei mir auch rasch bemerkbar.

Ich half meinen Kameraden bei der Vorbereitung des Bereitstellungsraumes, bereitete die Sachen vor, Schere, Spreizer und all das andere, was man für so einen schwierigen Einsatz braucht. In der Zeit traf auch eine benachbarte Löschgruppe ein, bei denen wir ebenfalls halfen. Es ist nicht schön so ein Einsatzgeschehen hautnah mitzuerleben, da man sich auch so seine Gedanken macht: Geht es dem Patienten gut? Wie ist das nur passiert? Man fühlt in dem Moment auch einfach nur mit. Ich sah, wie sich die benachbarte Feuerwehr an die Arbeit machte so schnell wie möglich die Person zu befreien. Im Auto bei dem Verunfallten sah man einen Kollegen vom Rettungsdienst, der versuchte den Patienten bei Bewusstsein zu behalten, sprach mit ihm, usw.

Gedanken macht man sich auch irgendwie darum, warum es immer wieder so viele Schaulustige gibt, denen es scheinbar Spaß macht, die Arbeit der Feuerwehr aber auch des Rettungsdienstes zu „behindern“, denn das erlebten wir auch. So versuchte ich mich darum zu kümmern, die Personen vom Einsatzort und Einsatzgeschehen fernzuhalten, was mir allein nicht gelang. In der Zwischenzeit gelang es dann der Feuerwehr und auch dem Rettungsdienst die verunfallte Person aus dem total demolierten, zerdrückten, und zerschnittenen Auto zu befreien. Ich hielt mit einem Kameraden meiner Löschgruppe eine Decke zum Sichtschutz für den Patienten, um Blicke der Schaulustigen fernzuhalten. Trotzdem gab es immer wieder die ein oder andere Person, die den Einsatzort behinderte.

Nachdem der Verunfallte versorgt und in ein Krankenhaus gebracht wurde, räumten wir unsere Gerätschaften wieder ein. Die Polizei machte Fotos vom Unfallort, den Unfallautos, nahm Zeugenaussagen auf und so weiter. Ich sah mir die Unfallstelle noch einmal genau an und machte mir den ganzen Einsatz über Gedanken. Ich funktionierte aber irgendwie. Was bleibt einem auch anderes übrig?!

Dieser Einsatz war, wie schon geschrieben, mein schlimmster Einsatz bisher, und trotzdem war er dennoch so Nerven aufreibend, traurig, löste Bestürzung aus, machte mich nachdenklich. Furchteinflößend, wie schnell man in so eine Lage gelangen kann. Dennoch war man auch erfreut, wie gut letztendlich alles geklappt hat, die Rettung des Verunfallten, und alles, was dazu gehört vom Anfang bis hin zum Ende des Einsatzes. Zuerst musste ich viel darüber nachdenken. Habe auch Tage und Wochen danach noch immer daran gedacht: daran wie es dem Verunfallten nun geht, wie andere Kameraden damit umgehen oder umgegangen sind und vieles mehr.

So etwas zu erleben, ist nicht schön. Man muss sich dran gewöhnen. Es gehört zu unserem Job, dennoch fällt es auch mir nicht leicht nach so einem Einsatz einfach zu tun, als wäre nichts gewesen, als hätte ich so etwas nie gesehen. Denn so ein zuvor noch nie erlebtes Horrorszenario bleibt irgendwie immer in Erinnerung.

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