27.02.2012

Zwischen zwei Tatü-Tatas

Autor: Lynne

„Was für ein Tag.“ Mit diesen Worten betrat meine Kollegin Sarah die Leitstelle. Ich folgte ihr und hatte eigentlich nicht das Gefühl, dass es ein stressiger Tag war.

Während wir mit den Kollegen redetet, traf ein Notruf ein. Robert nahm den Anruf an und auf die Frage des anderen Kollegen, ob er einen RTW benötigt, meinte er, er bräuchte einen NAW bzw. einen RTW und ein NEF. Da wir lagetechnisch am nächsten waren, düsten wir los. Die Einsatzmeldung lautete: „Herzbeschwerden, männlich“, der Einsatzort war die Raststätte der nahen Autobahn. Problem war nur, dass wir nicht genau wussten, wie wir auf die Raststätte der Autobahn Süd kommen (bzw. auf den Schleichweg zum Umgehen des BAB-Verkehrs). Trotz Anweisungen der Leitstelle haben wir uns etwas verfahren, trafen jedoch vor dem Notarzt ein. In der Raststätte saß ein relativ fitter Mann, der uns berichtete, dass es ihm eigentlich ganz gut geht und er nur heute vergessen hatte, seine „Wassertablette“ einzunehmen. Als dann das NEF eintraf, brachten wir ihn in den RTW und untersuchten ihn. Allmählich wurde aber auch ihm der Ernst der Lage bewusst und er entschied sich, mit uns zu fahren. Sein Zustand hatte sich sehr verschlechtert und ich fuhr relativ zügig mit Sondersignal los. Unterwegs dachte ich über den Mann nach und sah im Rückspiegel die Arbeit der beiden Kollegen.

Als wir dann im nächsten Krankenhaus in der Wagenhalle standen, lief ich schnell nach hinten um die Trage herauszuholen... und machte eine erschreckende Feststellung. Vor mir lag ein schwerkranker, zyanotischer und apathischer Mann, dessen Zustand, wie es mir schien, sich zwischen zwei Tatü-Tatas um Vielfaches verschlechtert hatte. So schnell wie wir konnten fuhren wir ihn auf die Intensivstation und überließen ihn den Händen der Ärzten. Sie überlegten nicht lange und bereiteten die Intubation vor.

Sarah und ich verließen das Krankenhaus so schnell wie möglich und begaben uns in unseren Kreis, wo wir selber kaum zum Atemholen kamen.

Doch dieser beeindruckender Einsatz und den Ernst der Lage vergaß ich nie.

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