20.04.2010

Der Engel flog sehr schnell

Autor: AlltagImRettungsdienst

Genau dieser Schutzengel muss auch auf unserer Autobahn gewesen sein.

Wir haben Tagdienst und der Dienst geht heute sehr lange. Aber mein Kollege und ich verstehen uns, also ist alles nur halb so schlimm. Heute ist es ein bisschen ungemütlich draussen, aber es soll besser werden. Solange wir jetzt nicht raus müssen, ist ja auch alles gut. Es geht zum örtlichen Bäcker, und wir holen erstmal etwas zum Frühstücken. Wir haben auch Glück, denn bis zum Mittag bleibt es ruhig, und der Himmel klart auf.

Zu diesem Zeitpunkt ist ein Mann schon mit seinem Sportwagen aus Stuttgart auf unserer Autobahn unterwegs. Er scheint es doch etwas eilig zu haben. Die Straße trocknet gerade, aber manche Stellen sind trotzdem noch feucht. Unser Kaffee blubbert durch die Maschine, gleich ist er fertig und vielleicht werden wir auch wieder munterer!? Unser Sportwagenfahrer hat noch zwei Kilometer bis sein Schutzengel auf ihn wartet. Die Tassen sind gefült und wir genießen die ersten Schlücke. Mmhh, meine Lebensgeister erwachen. Jetzt könnten wir auch mal was fahren. So den ganzen Tag herumhängen macht auch keinen Spaß.

Der Melder bimmelt, und wir begeben uns zu unserem Auto. Es geht chirurgisch auf die Autobahn. Die Leitstelle spricht uns an, dass man nichts Genaues weiß. Wir sollen einfach mal schaun. Wie ich sowas mag!!! Aber was will man machen. Die Einsatzstelle liegt ein bisschen weiter weg. Genug Zeit sich Gedanken zu machen, was uns da denn erwartet. Wir nähern uns dem Abschnitt, wo der Unfall stattgefunden haben soll. Aber noch sehen wir nichts. Doch nach der nächsten Kurve sehen wir unsere Einsatzstelle. Das Fahrzeug sieht schon mal sehr demoliert aus, meine Gedanken fragen sich gerade, ob wir nicht gleich den Notarzt nachfordern sollen, aber wir müssen erstmal die Einsatzstelle sichten.

Wir kommen näher und das Auto, welches es mal war, ist nur noch Schrott. Unser Fahrer steht neben seinem Sportwagen und telefoniert. Wir staunen ein bisschen, denn dass da jemand lebendig rausgekommen ist, grenzt für uns an ein Wunder. Wir bringen den Mann erstmal in unser Auto und lassen uns berichten, was denn passiert ist. Er hat einige kleine Platzwunden aber sonst nichts. Wie schnell er war, möchte ich gerne wissen. „Joa, so etwas über 200 km/h.“ Ich glaube ich höre nicht richtig. Aber als ich mir den Wagen danach nochmal anschaue, ist der Tacho bei 220 km/h stehen geblieben. Unser Patient bekommt provisorisch erstmal eine Halskrause und einen venösen Zugang und eine Ganzkörperuntersuchung. Es bleibt aber dabei, ausser einigen kleinen Platzwunden fehlt ihm nichts.

Wir gratulierem ihm zu seinem zweiten Geburtstag, denn den kann er wirklich heute feiern. Alle Airbags sind aufgegangen, und das erst 15.000 km gefahrene Auto ist ein Fall für die Schrottpresse. Mir blutet dabei ein bisschen das Herz.

Nachdem auch die Polizei eingetroffen ist, fahren wir den Mann erstmal in die nächste Notaufnahme, die Wunden müssen genäht werden. Mit unserer Dienstleistung ist der Herr sehr zufrieden, denn es gibt reichlich Trinkgeld, nachdem wir ihn an den diensthabenden Doc übergeben haben.

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Titel: Veröffentlicht am:
Der Autobahn-Einsatz 22.09.2010
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